Herbstsymposium der GLE-Ö 2011

Herbstsymposium der GLE-Ö 2011



End-lich Leben: der Endlichkeit begegnen - das Leben achstsam gestalten
im Toscana-Kongresszentrum in Gmunden, Öberösterreich

Es wurde den TeilnehmerInnen leicht gemacht, sich mit ganzem Herzen in dichten, nachdenklichen und strahlenden zwei Tagen auf die Endlichkeit, in Ihrer tragischen Begrenztheit und ihrer Kostbarkeit der Momente einzulassen. Mit warmherzigem, umsichtigen, spritzigem und inspirierenden Charme führten die Leiterinnen des Oberösterreischen Instituts und des Herbstsymposiums Renate Bukovski und Ursula Reischer, unterstützt vom Vorstand der GLE-Österreich ReferentInnen, WorkshopleiterInnen und ZuhörerInnen vom ersten bis zum letzten Augenblick in achtsamen Worten, Gesten und bereitgestellten Rahmenbedingungen durch die Themen- und Erfahrungswelt.

Nach Uschi Reischers Begrüßung und Anbindung an Ort und Thema brachte uns Toni Nindl in ebenso sanften wie eindringlichen Worten mit Bezügen zu Philosophie, Dichtung, persönlichen Lebenserfahrungen und berührenden Begegnungen in der psychotherapeutischen Praxis die existentielle Dringlichkeit, Schmerzhaftigkeit und Unverzichtbarkeit der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit für Werterleben und menschliche Reifung nahe.

Frau Dr.Gertrude Bogyis Vortrag, getragen von langjähriger Erfahrung und Reflexion, eröffnete uns durch den Blick in die Kinderseele (wieder) den Zugang zu einer ganz im Augenblick verweilenden Lebenshaltung. Die natürliche Weisheit, mit der die Kinder sich mit Verlust, Leid und Tod ebenso suchend auseinandersetzten wie mit dem lustvollen, spielerisch-phantasievollen und damit wieder unbegrenztem Lebendigen konnte in ihren Ausführungen gut vermittelt werden. Das Auffinden endlich heilender Wege in der existenzanalytischen Traumatherapie wurde sowohl theoretisch differenziert als auch anschaulich vermittelt von Dr. Lilo Tutsch und Renate Bukovski. Bei solchen Therapeuten-PatientInnen-Gesprächen wär man gern öfter mal Fliege an der Wand. Ein Feuerwerk philosophischer Impulse, Zusammenhänge und Fragestellungen lieferte am Samstag DDDr. Clemens Sedmak.

Am Abend wurde gefeiert. Zuerst die DiplomandInnen - in besonders würdiger, stimmungsvoller Weise; später mit Musik, bei der ein Existenzanalytiker den Rhythmus vorgab, und mit anmutig-sinnlichen Tänzerinnen, die mit ihrem nächtlichen Feuerriten Erinnerungen an ferne, unbekannte - oder vielleicht uns innerlich ganz nahe, eigenartig vertraute Zeiten und Ländern weckten.

Wer am Samstag Vormittag im idyllischen Garten lustwandelnde TeilnehmerInnen anzutreffen wünschte, musste sich an die Pausenzeiten halten. Die Workshops, welche wie auch die Abendveranstaltung in den gediegenen Räumen der ehemaligen Jugendstilvilla der Großherzigen von Toscana stattfanden, waren gut besucht, teilweise ausgebucht. Immerhin gab es, als neues Service, diesmal nicht nur Aufzeichnungen von den Vorträgen, sondern auch von ReferentInnenimpulsen aus den Workshops, sodass Versäumtes doch nach-gehört werden konnte (und kann). Die Workshops reichten inhaltlich von Trauer, Alter, Krankheit und Suizidalität, über Abschied und Neubeginn (auch in Beratung und Therapie), Arbeit mit dem inneren Kind, Beziehungsgestaltung und Konfliktbewältigung als Paar oder in anderen wichtigen Bindungen bis zur Arbeit mit Jugendlichen. Es wurde gemeinsam reflektiert, experimentiert, gelacht, nachgedacht und, wo angebracht, der Trauer Raum gegeben.

Im Sinn von Uschi Reischers Einladung wünsche ich uns allen für unser Leben nicht besonders viele Jahre, sondern alle unseren Jahren viel Leben - achtsam gestaltetes Leben.

Mag. Susanne Pointner