SUCHT: Wege aus dem Verfallensein

SUCHT: Wege aus dem Verfallensein



Wien - Internationaler Kongress der GLE in Salzburg von 1.-3. Mai 2015

Nach der Begrüßung der KongressteilnehmerInnen in der ausgebuchten Großen Aula der Universität Salzburg durch den Präsidenten der GLE-I, Alfried Längle zeigte Frau Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler in ihrem Grußwort ihre Affinität zur Existenzanalyse in ihrem Streben nach einer Politik der Nachhaltigkeit und der Wertorientierung. Renate Bukovski übernahm dann einfühlsam und sachkundig die Kongressmoderation und leitete mit einem kurzen, lustvollen Zitat aus Daniel Schreibers „Nüchtern“ in meinen Vortrag „Sucht: Im milden Glanz der Täuschung an den Abgrund“ über, den ich mit einem Zitat aus diesem Buch mit der diabolischen Seite der Sucht konterkarierte. Der Bogen der einführenden Inhalte spannte sich von literarischen Beispielen süchtiger Literaten, über Aussagen eines ehemals süchtigen Klienten bis hin zu epidemiologischen Daten, zu psychoanalytischen Sichtweisen und ersten Aspekten der existenzanalytischen Sichtweise der Sucht.

Emmanuel Bauer widmete sich gewohnt elaboriert den existentialen Ursachen der Sucht mit dem Erleben von Leere, Langeweile und dem verpassten Sprung zu sich selbst. Seine Ausführungen zu Heidegger und Kierkegaard stießen auf reges Interesse des Fachpublikums. Nach der Pause widmete sich der ärztliche Leiter der Christian-Doppler-Klinik, Reinhold Fartacek in gewohnt kurzweiliger Form dem schweren Thema Sucht und Suizidalität und verwies auf neue Forschungserkenntnisse aus der Synergetik zum Themenbereich Suizidalität. Die Existenzanalytikerinnen Jana Bozuk und Zdenka Carmachova gaben in ihrer jeweils spezifischen Art Einblick in ihre therapeutische Arbeit mit einem Klienten mit Arbeitssucht bzw. einer Klientin mit Adipositas.

Durch die bezaubernde Altstadt Salzburgs schlenderte dann ein Großteil der KongressteilnehmerInnen in die Salzburger Residenz, in der das Land Salzburg zu einem Kammerkonzert mit Werken von Haydn und Mozart eingeladen hatte. Die musikalischen Darbietungen erfreuten uns in diesen altehrwürdigen Prunkräumen.

Den Samstag eröffnete Thomas Mell von der Berliner Charite, der für Andreas Heinz eingesprungen war mit anschaulichen Inhalten zur Neurobiologie der Alkoholabhängigkeit. Chefärztin und Traumatherapeutin Wibke Voigt sprach das Publikum nicht nur mit ihrem Vortrag an, sie setzte mit ihrem Ensemble „Tangugango“ einen fulminanten Höhepunkt mit begeistertem Applaus im Plenarsaal.

Nun folgte ein bunter Strauß verschiedener Symposia, von denen ich viel Gutes hörte. Ein besonderes Highlight waren wieder die Life-Demonstrationen, denen ein größerer Raum vergönnt gewesen wäre.

Nach den vielfältigen Vorträgen und Workshops trafen wir uns zur GLE-Ö Mitgliederversammlung. die von der Vorsitzenden Renate Bukovski und ihrem Stellvertreter Rudolf P. Wagner wie gewohnt professionell durchgeführt wurde. Ein herzliches Danke gilt an dieser Stelle unseren Vorstandsmitgliedern für die viele ehrenamtliche Arbeit.

Höhepunkt war im Anschluss die AbsolventInnenfeier, die von zwei bezaubernden Musikerinnen musikalisch umrahmt wurde. Renate Bukovski und unsere so umsichtige Ausbildungsleiterin Doris Fischer-Danzinger machten die Feier für die AbsolventInnen zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Zum Kongressabend begrüßten Renate und ich die gutgelaunten Gäste. Der famose Akkordeonist Maik Hester umrahmte mit Mussette-Musik das Ankommen und Einfinden. Tangugango spielten dann „In 80 Tangos um die Welt“ zum Zuhören und Tanzen. An den verschiedenen Speisen des Buffet labten sich die hungrigen Gäste.

Den Sonntag eröffnete mit Chefärztin Monika Vogelgesang eine ausgewiesene Expertin für Mediensucht. Sie gab professionell einen anschaulichen Einblick in ihre Tätigkeit und die Schwerpunkte in ihrer Klinik.

Michael Musalek, der Suchtexperte in Österreich, begeisterte mit seinem Orpheus-Programm und seiner Begabung differenzierte Inhalte anschaulich und lebendig zu vermitteln.

Im letzten Vortrag bezog sich Alfried Längle vorerst auf (nicht repräsentative) Daten aus einer Umfrage beim Berliner Kongress zu Suchtthemen und skizzierte in der Folge die existenzanalytische Sichtweise der Suchtbehandlung engagiert und in gewohnter Souveränität. Er warf u.a. die Frage des freien Willens in der Sucht auf. Diese Frage war auch ein Thema in der folgenden Paneldiskussion. Renate Bukovski leitete mit Statements der ReferentInnen und treffenden Fragen anregend durch die Paneldiskussion. Der gelungene Kongress, seine ReferentInnen und MitarbeiterInnen erhielten einen großen Applaus. Wir verabschiedeten uns mit Vorfreude auf ein Wiedersehen beim Kongress in Freiburg/BRD.

Toni Nindl